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VORWORT von John Uhl zu Herbert Fritsche Sämtliche Gedichte Teil I

Erschienen im ATHANOR Verlag, Berlin 1967


Gedicht ist die unbesoldete Arbeit des
Geistes, der Fonds perdu, eine Art Aktion
am Sandsack: einseitig, ergebnislos und
ohne Partner: evoë!
                                  Gottfried Benn 1926

Dieser Lyrikband enthält 319 bisher bekanntgewordene Gedichte Herbert Fritsches (1911–1960); sie sind alphabetisch nach Gedichttiteln geordnet, so dass sich ein Inhaltsverzeichnis erübrigt. Folgenden Persönlichkeiten, die bei der Sammlung wesentlich beteiligt waren, sei hierfür besonders herzlich gedankt:

Regierungsrat Ing. Lambert Binder, Wien
Helmut Klepzig, Überlingen am Bodensee

Für denjenigen, der Dichtung wissenschaftlich betrachtet wissen will, sei kurz zusammengefasst, was an einigen literaturhistorischen Seminaren bisher gelehrt wurde:

  1. Folgende Gedichte Fritsches gehören zu den klassischen Schöpfungen deutscher Lyrik:
    „De profundis“, „Der Lotos“, „Die Ehe des William Blake“, „Forellenballade“, „Heimkehr zur Geliebten“, „Liebe (II)“, „Löse und binde“, „Schlehenlied“, „Sommersonnenwende“, „Wir und die Sterne“.
  2. Das Gedicht „Walpurgisnacht“ ist das beste deutsche Fünfzeilerstrophen-Gedicht.
  3. Die beiden Längstzeiler „Die Kräuter“ und „Selbstporträt zu Beginn des 47. Lebensjahres“ sind diejenigen gereimten deutschen Gedichte, die die meisten (19 und 18) Hebungen aufweisen. Bisher hielt diesen Rekord der Expressionist Prof. Dr. Ernst Stadler (1883–1914) mit seinem Gedicht „Abendschluss“.
  4. Fritsche ist der bedeutendste Meister der fünfzeiligen Strophe mit dem Reimschema abaab; 20 % seiner Lyrik ist in dieser Form geschrieben.

Mir scheinen diese Ergebnisse verstandeskühler Kathederweisheit unerheblich. Wichtiger ist, daß hier unter konventioneller Maske revolutionäre und provozierende Gedanken in Gedicht gestaltet sind, die weit aus der Zukunft zu uns sprechen. Fritsche selbst schrieb einleitend zu seinem 5. gedruckten Gedichtband „Mandragora“ Ende 1932:

„Die Gedichte …, Ergebnis einiger am Saum des Vorhangs verbrachter Lebensjahre, wollen deuten und bürgen, nie unterhalten. Wer in ihnen versteckt einen Lehrgang der Magie zu suchen bemüht ist, dürfte eher auf seine Kosten kommen, als wer in ihren Symbolen ästhetische Hilfsmittel sieht …“

Berlin, den 14.6.1967

John Uhl