Stabsübergabe
Wenn ich denn den Stab für die Weiterführung der Herbert-Fritsche-Webseite übernehmen darf, kann ich nicht umhin, Werner Zachmann dafür zu danken, was er für das Vermächtnis eines Mannes getan hat, dessen Geistesgut Ende des zwanzigsten Jahrhunderts in den Köpfen der meisten Menschen bereits am Verblassen war – sofern sie denn überhaupt je etwas von ihm gelesen hatten. Ihm ist es zu verdanken, dass nicht nur die Hauptwerke von Herbert Fritsche, sondern sämtliche Bücher und zahlreiche Artikel aus seinem feuilletonistischen Werk für Zeitschriften und Tageszeitungen sowie vor allem eine enorme Fülle an schriftlicher Korrespondenz dem interessierten Leser und Forscher wieder zugänglich gemacht wurden.
Die Publikation der damals vorerst 17-bändigen Gesamtausgabe sowie dreier Briefbände als Privatdruck erfolgte in nur knapp drei Jahren, von 2011 bis 2014. Die Arbeit dahinter – das akribische Suchen, Kuratieren und Digitalisieren des geistigen Materials – dauerte über ein Jahrzehnt. Auch wenn Werner sich immer sehr positiv über seine Weggefährten und Sponsoren in Sachen Fritsche-Publikationen äussert, kann ich zumindest für mich sagen, dass der Dank für die enorme Leistung, die hinter diesem Projekt stand, ausschliesslich ihm gebührt.
Ich habe Werner im Jahre 2011 anlässlich seiner Biografie über Herbert Fritsche kennengelernt und konnte miterleben, mit welcher Bestimmtheit und hohen Kadenz er die Publikationen herausgegeben hat. Es sind unglaubliche Energien in das Projekt eingeflossen, und man ist versucht zu sagen, dass der Geist von Herbert Fritsche im Hintergrund dabei Pate gestanden hat. Bei der Biografie war es unzweifelhaft so. Werner hat mir auch den Zugang zu Helmut Klepzig eröffnet, einem persönlichen Freund von Fritsche und Mitstreiter zu Buchingers Zeiten, der inzwischen seine irdische Hülle abgestreift hat und mit dem ich einen Nachmittag in Erinnerung an Herbert Fritsche verbringen durfte.
Mit Fritsche selbst bin ich zum ersten Mal Anfang der 80er Jahre in Berührung gekommen. Den Hinweis hat Thorwald Dethlefsen † gegeben. Damals waren nur die Hauptwerke von Fritsche aus dem Burgdorf Verlag im Handel erhältlich; andere Publikationen musste man in Antiquariaten suchen.
Vellichor. Mittlerweile sind selbst jene Katakomben des Geistes, in denen die Seelen der Bücher noch analog atmeten, nahezu verschwunden. Doch trotz Wehmut und Melancholie sowie Sorgen über die möglichen Folgen der Überschreitung einer Kulturschwelle hat die digitale Revolution des Internets – und mit ihr die Ausbreitung der künstlichen Intelligenz – es ermöglicht, dass ein virtueller Raum geschaffen werden konnte, zu dem praktisch die ganze Welt freien Zugang hat.
2013 trafen sich die Sponsoren im Schwarzwald, wo ich neben anderen auch Sulamith Fritsche kennenlernen durfte. An diesem Wochenende hat uns auch der Geist für ein virtuelles Museum ergriffen. Dass es nochmals ein Jahrzehnt gedauert hat, bis dieser Geist in Form eines digitalen Raumes Gestalt angenommen hat, liegt an meiner beschränkten Freizeit sowie an der Technik, die sich erst in den letzten Jahren so weit entwickelt hat, dass die Umsetzung eines solchen Projektes meinen Fähigkeiten und formalen und ästhetischen Ansprüchen gerecht wurde.
An dieser Stelle möchte ich ganz speziell Andres Obrero danken, der es überhaupt ermöglicht hat, dass die Webseite im vorliegenden Kleid existiert. Ohne sein Know-how und die grosszügig zur Verfügung gestellte Lebenszeit hätte ich mir nicht zugetraut, die Verantwortung für die Seite zu übernehmen.
Fritsche war ein Grenzgänger auf Seitenwegen: Er trug das uralte Wissen des Kosmos in sich, verbrauchte jedoch seine Kraft auf einmal und verglühte – wie eine Sternschnuppe beim Eintritt in die Erdatmosphäre – innerhalb kurzer Zeit in seiner Lebensmitte. Sein umfassendes Wissen und seine Belesenheit, verbunden mit einem fotografischen Gedächtnis sowie seine souveräne und wortgewaltige Art, faszinierende und gehaltvolle Vorträge aus dem Stegreif zu halten, sind legendär. Helmut Klepzig hat Fritsches Fähigkeit, die ihn als Ausnahmemenschen gekennzeichnet hat, wie folgt charakterisiert: „Sein grösster Vorzug, seine grosse Begabung war, dass er den Geist einer Dichtung oder Schöpfung aus sich heraus sprechen lassen konnte.“
Man kann über Fritsche denken, was man will; man muss auch nicht mit allem einverstanden sein, was er geschrieben und gesagt hat. Vermeintliche Freunde haben sich schon während seiner Lebzeiten von ihm abgewandt. Weggefährten sahen Fritsche in seinen letzten Jahren als Gescheiterten; er selber kokettierte ebenfalls mit diesem Ausdruck. „Er hat viel gealchemeyt und viel vertan“, heisst es in einem seiner Gedichte, das dieses Scheitern vorwegzunehmen scheint. Aber letztendlich ist das alles unerheblich. Dies ist weder ein missionarisches Gefäss noch ein Debattierclub, sondern ein Ort der Bewahrung und Inspiration – eine virtuelle Bibliothek mit Zugang zum Geist eines ungewöhnlichen Menschen, an den es wert ist, die Erinnerung lebendig zu halten. Die Begegnung mit ihm ist nicht ungefährlich; es kann sein, dass man sich in seinen Gedankengängen verliert und seine eigenen Glaubenssätze hinterfragt.
Herzlich willkommen im Herbert-Fritsche-Museum – Eintritt auf eigene Gefahr!
Denes Kovacs, im März 2026
In eigener Sache
Liebe Herbert Fritsche-Freunde,
Nach nunmehr 15 Jahren habe ich mich entschlossen, den Betrieb der Herbert Fritsche Internetseite abzugeben. Die Seite erhält einen neuen, moderneren Zusschnitt und wird von Denes Kovacs, einem der Sponsoren in Sachen Herbert Fritsche und persönlichem Freund, weitergeführt. Ohne ihn wäre die Gesamtausgabe möglicherweise nicht entstanden.
Es bleiben nicht nur die bestehenden Informationen über Herbert Fritsche und sein Werk erhalten, sondern der Internetauftritt wird sukzessive zu einem virtuellen Herbert Fritsche Museum ausgebaut. Neue Tonaufnahmen kommen hinzu und die bestehenden Vorträge stehen künftig zum Download bereit. Die Gesamtausgabe bekommt ein neues einheitliches Bild und wird um die drei Briefbände und die Herbert Fritsche Biographie erweitert. Alle Bücher sind künftig über den örtlichen Buchhandel und Internetplattformen zu beziehen.
Der letzte erschienene Herbert Fritsche Band „Höheres Wachsein“, hat erst vergangenes Jahr Aufnahme in die Gesamtausgabe gefunden und hat mich durch seine darin enthaltene Aussage: „…der Teufel kennt zwei mächtige und hinterhältige Mittel, um von der menschlichen Seele Besitz zu ergreifen. Er macht uns entweder glauben, dass es keine Seele gibt und hat damit bereits die Oberhand gewonnen oder er tarnt sich als Gott“… auf neue Wege geführt, denen ich folgen muss.
Ich danke Denes auch an dieser Stelle, für seine Bereitschaft, die Herbert Fritsche Seite in das nächste Vierteljahrhundert zu führen und wünsche ihm dazu viel Freude und Erfolg.
Gleichzeitig danke ich allen Fritsche Freunden, bevor das Jahr 2025 seine Pforten schliesst, für ihr Interesse und ihre langjährige Treue.
Werner Zachmann, im Dezember 2025
Herbert Fritsche – Eine Würdigung zu seinem 100. Geburtstag
Rechtzeitig zu seinem 100. Geburtstag am 14. Juni 2011 erschien für die Freunde Herbert Fritsches die lang erwartete Biographie. Sie gibt Einblick in sein Leben und Wirken.
Dass diese Biographie überhaupt ihren Weg in die Welt finden konnte, verdanke ich vor allem Helmut Klepzig. Er öffnete mir als erster die Pforten zu den Schriften und Briefen Herbert Fritsches. Zu danken habe ich ferner Sulamith und Claudia Fritsche, die mir – neben allem was sie mir an Material zur Verfügung stellten – gestatteten, seine Briefe für diese Biographie zu verwenden. Ebenso gilt mein Dank Ernst Klett †, der mir in bereitwilligster Weise Zugang zu seinem Archiv ermöglichte und mir vieles aus dem Leben Herbert Fritsches berichtete. Darüber hinaus danke ich Robert Karle † und Herbert Milas für ihre mir überlassenen Kopien. Mein Dank gilt ebenso Stefan Reis, der zum Zeitpunkt der Entstehung der Biographie die Rechte am Geistesgut Fritsches innehatte und mir gestattete, so großzügig daraus zu zitieren.
Werner Zachmann, im Sommer 2011
Neues von Herbert Fritsche: Das Geheimnis der Seele (Carl du Prel – Das Rätsel des Menschen und mehr…)