Herr von der Sulzburg
Zu Nürnberg ruht seit alter Zeit
Im Grabesdunkel unser Ahn.
Er trug mit uns das gleiche Leid,
Denn – „er hat viel gealchemeyt
Und viel vertan". Und viel vertan.
Herr von der Sulzburg … Kennst du ihn?
Erkennst du ihn im Spiegelglas? –
Der Stein, der seinem Traum erschien,
War feuerfarben wie Rubin
Und mondenhold wie Rauchtopas:
Ein Stein, der Stein der Narren hieß
Und den man vor den Toren fand
Bei Eselsgold, bei Schwefelkies – –
Ein Bröcklein Nichts vom Paradies,
Ein Adam-Lehm vom Euphratstrand.
Für solches Ziel, ein Schelmenziel,
Ist Jahr um Jahr sein Haar gebleicht.
Sein Leben war ein Gaukelspiel,
Und als sein Leib zu Grabe fiel,
War Nichts und Abernichts erreicht.
Im Rauch zerstob sein gutes Gold,
Adeptenküche ward die Welt – –
Der Stein, dem er Tribut gezollt,
Blieb feuerfarben, mondenhold,
Vor ihn als Gipfellicht gestellt.
Herr von der Sulzburg starb in Not,
Vielleicht im Armenhause gar.
Was er gesucht im Gossenkot,
Er trug es lächelnd in den Tod,
Weil es der Stein der Weisen war:
Ein Stein, der Stein der Narren hieß
Und den man vor den Toren fand
Bei Eselsgold, bei Schwefelkies – –
Ein Bröcklein Nichts vom Paradies,
Ein Adam-Lehm vom Euphratstrand.
Wer Nichts und Abernichts erreicht,
Erreicht gar oft zugleich das All,
Und ob sein Haar in Sorgen bleicht,
Es weckt ihn morgen schon vielleicht
Sein Ostern mit Posaunenschall.
Herr von der Sulzburg … Nichts ist wahr
In dieser Stunde als nur du.
Und du und wir – wie sonderbar –:
Im gleichen Wind das gleiche Haar,
Es bleicht dem gleichen Ziele zu.
Halt vor uns hin in Ewigkeit
Den Stein der Weisen, ferner Ahn!
Du kennst das Ziel, du kennst das Leid,
Denn – „du hast viel gealchemeyt
Und viel vertan". Und viel vertan.