Die Herbert Fritsche Biographie
Von Werner Zachmann
Metaphysik des Scheiterns – Leben und Werk des Grenzgängers Herbert Fritsche


„Ich muss einmal eine Metaphysik des Scheiterns schreiben“, notiert Herbert Fritsche 1951 in sein Tagebuch. – Er hat sie nicht geschrieben. Sein hier in Buchstaben gegossenes Leben ist Ausdruck dieses Scheiterns. Aber, so sagt er weiter: „Eine solche Abhandlung muss den absolut positiven Beitrag des Misslingens zum Magnum Opus, zum Weltwerdewerk der Gottesziele beinhalten und nicht deren Tragifizierung oder Entschuldigung.“ So und nur so ist auch sein Leben aufzufassen und zu verstehen: Denn die ganze Welt ist Gift, aber im Gift – und nur im Gift – liegt zugleich das Heil. Das zu vermitteln in seiner ganzen ungeheuerlichen Konsequenz vermochte wohl nur er. Leben und Werk Herbert Fritsches sind eins. So gibt sein Leben Einblick in das, was durch ihn gesprochen hat und das größer ist als wir – über alle Zeiten hinweg; denn es ist zeitlos. Als Dichter, der er auch war, fand er die Worte: „Wo eine Welt voll Leid und Lüge / Sich auffängt als ein Sinngefüge, / Aus dem das Licht der Wahrheit scheint. / Da sind wir ganz in Gottes Wesen / Und lernen seine Lettern lesen …“
Diese Biographie ist eine intime und detaillierte Schilderung seines Lebens. Dadurch, dass der Autor Herbert Fritsche über weite Strecken sein Leben selbst erzählen lässt, ist es gelungen, einen unmittelbaren Einblick in sein Denken und Werden zu gewinnen. An manchen Stellen müssen wir lachen: so etwa, wenn sein brillanter und scharfer Geist seine Attacken reitet; an anderen sind wir sprachlos ob der tiefen Erkenntnisse dieses großen Geistes, und – auch die gibt es – wo es uns ganz unvermittelt die Tränen in die Augen treibt: man wird still und ist betroffen.
Die Herbert Fritsche Biographie
Metaphysik des Scheiterns – Leben und Werk des Grenzgängers Herbert Fritsche
608 Seiten, Softcover
Preis EUR 34.90
ISBN 978-3-98913-255-9 (Neuauflage 2026)
Bezug über den Verlag und den stationären wie digitalen Buchhandel.
Herbert Fritsche – Eine Würdigung zu seinem 100. Geburtstag
Rechtzeitig zu seinem 100. Geburtstag am 14. Juni 2011 erschien für die Freunde Herbert Fritsches die lang erwartete Biographie. Sie gibt Einblick in sein Leben und Wirken.
Dass diese Biographie überhaupt ihren Weg in die Welt finden konnte, verdanke ich vor allem Helmut Klepzig. Er öffnete mir als erster die Pforten zu den Schriften und Briefen Herbert Fritsches. Zu danken habe ich ferner Sulamith und Claudia Fritsche, die mir – neben allem was sie mir an Material zur Verfügung stellten – gestatteten, seine Briefe für diese Biographie zu verwenden. Ebenso gilt mein Dank Ernst Klett †, der mir in bereitwilligster Weise Zugang zu seinem Archiv ermöglichte und mir vieles aus dem Leben Herbert Fritsches berichtete. Darüber hinaus danke ich Robert Karle † und Herbert Milas für ihre mir überlassenen Kopien. Mein Dank gilt ebenso Stefan Reis, der zum Zeitpunkt der Entstehung der Biographie die Rechte am Geistesgut Fritsches innehatte und mir gestattete, so großzügig daraus zu zitieren.
Werner Zachmann, im Sommer 2011
...„Dieses Jahr 1941, aus dem ich nun herauswandern soll in neues Ungewisses, ist eigentlich das beste von allen gewesen. Es hat mich in tiefstes Dunkel hineingeführt um die Jahresmitte [...] dennoch war das Dunkel in einer nicht zu schildernden Weise licht: Und das bleibt stets eins der heiligsten Erlebnisse, die uns geschenkt werden: etwas ahnen zu dürfen von der gewaltigen Coincidentia oppositorum, die am Urbeginn war, zum Ende der Zeiten abermals sein wird und auch jetzt noch wie ein Verheißungslicht hineinstrahlt, wenn unser Bewusstsein sich in seine höhere Heimat erhebt.
Coincidentia oppositorum, ‘Zusammenfallen der Gegensätze’ – das ist ein Erleben, dem gegenüber Worte sofort machtlos werden. Die Mystiker kommen ins Stammeln, die Denker in die Paradoxie, wenn sie etwas davon sagbar machen wollen. Lao-Tse und die Bhagavad-Gita sprechen vom ‘Nicht-Tun im Tun’, unsere westlichen Überlieferungen stellen ein Leben dar, das sich am Sterben entflammt und Suso, der Gewaltige, prägte den Spruch: ‘Wem Leid ist wie Freud / Und Freud wie Leid, / der danke Gott für solche Gleichheit!’ Merkwürdig, dass diese – wenn man so sagen darf – Paradoxie der Wesens-Tiefen allein dem Erlebnis vorbehalten bleibt, während sie sogleich leer, dünn, philosophisch-unverbindlich wird, wenn sie vom bloßen Erkennen her angegangen werden soll.
Nun also, dieses Jahr hat mir Einblicke in eine Sphäre des Gegensatzlosen, besser gesagt: des geheimen Einklangs der Gegensätze in einem Bereich lebendigster Wirklichkeit zuteil werden lassen, die zwar mit Leiden erkauft werden mussten, nun aber doch nichts als Gewinn geworden sind. Ich hatte davon 1940 von alledem noch keine Ahnung“...