Porträtfoto von Herbert Fritsche Porträtfoto von Herbert Fritsche Porträtfoto von Herbert Fritsche Porträtfoto von Herbert Fritsche

Herbert Fritsche

Leben und Werk (1911–1960)
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Vorwort des Herausgebers

1970 veröffentlichte Ernst Klett einen als Privatdruck herausgegebenen Brief-Band Herbert Fritsches – betitelt: "Briefe an Freunde"–, um endlich, nach vielen Jahren, doch noch in irgendeiner Form eine späte Würdigung seines Schaffens auf den Weg zu bringen. Denn in den 10 Jahren seit Fritsches Tod bis zum Jahre 1970 war es trotz mehrmaligen Versuchs von den unterschiedlichsten Ansätzen und Seiten her, nie gelungen, diese späte Ehrung in Form eines schriftlichen Nachlassbandes herauszubringen. Über die Gründe mag man spekulieren, am guten Wollen lag es gewiss nicht: Vielleicht hatte es einfach mit Herbert Fritsche selbst zu tun, dessen Zeit erst heute richtig anzubrechen scheint.

Der Briefband, den E. Klett herausbrachte, enthielt 50 Briefe, die zum Teil stark zensiert waren: Das war der Zeit geschuldet, weil viele der darin genannten Personen noch lebten und ihre Privatsphäre geschützt wissen wollten. Dennoch fand er großen Widerhall bei den Freunden Herbert Fritsches und ist bis heute eine gesuchte Rarität, zeigt er uns doch einen Fritsche ganz anderer Art. Scharf und bestechend, das war er immer, aber im persönlichen Gespräch sozusagen - in Form von Briefen - drückt sich diese, seine Gabe nochmals stärker und unmittelbarer aus.

Heute, 40 Jahre später, kann ein derartiges Unterfangen anders angegangen werden. Alle Adressaten sind inzwischen verstorben. Gleichwohl erscheint auch dieser Briefband als Privatdruck - auch wegen rechtlicher Erwägungen.

Lediglich ein Brief aus dem Briefband Kletts hat Eingang in diesen neuen Brief-Band gefunden, weil dieser Brief besonders aussagekräftig ist, aber in der Erstveröffentlichung nichts von all dem enthielt (Zensur), was diesen Brief so interessant macht. Ansonsten sind - wie der Name schon sagt ("Innen- und Außenansichten") - ausschließlich Briefe in diesen neuen nun vorliegenden Band eingeflossen, die uns mit An- sowie Ein- und Aussichten aus Fritsches Denken zu den unterschiedlichsten Themen der Zeit bekannt machen; dabei ist es unerheblich, ob sie nun okkulter, politischer oder persönlicher Natur waren, resp. sind: Denn immer geben sie Einblick in sein Denken, Erleben und Handeln.

Durch die breit gestreuten Themen sind sie gewissermaßen zu einem erhellenden Zeitdokument geworden; was insofern ganz nützlich scheint, weil es unter anderem auch die Anfänge verschiedener Organisationen beleuchtet, deren Spuren sich sonst verloren hätten oder die von deren Nachfahren bewusst und gezielt vernebelt worden sind.

Aus dem großen Fundus an vorliegenden Briefen wurden für diesen Band 77 Briefe ausgewählt. Briefe, die zuvor - bis auf den oben genannten - nicht veröffentlicht waren. Dabei war der Herausgeber bemüht, keine Briefe heranzuziehen, die bereits in die Biographie Fritsches Eingang gefunden haben, obschon es vereinzelt zu Überschneidungen gekommen ist. Denn was Fritsche in einem Brief dem einem Briefpartner mitgeteilt hat, hat er bisweilen auch noch einem zweiten anvertraut.

Der Zeitraum der Briefe umfasst 25 Jahre. 25 Jahre - von 1933 bis 1958 - die auch die Entwicklung dieses großen Geistes bekunden, vor allem aber zeigen sie eines: Fritsches Schärfe und Klarheit im Verstand, seine Aufrichtigkeit und sein ständiges Ringen um die Wahrheit.

Möge dieser Briefband, dem noch zwei weitere folgen werden, ebensolchen Anklang finden wie der erste von Ernst Klett herausgegebene Band und möge er ebenso die Stellung Herbert Fritsches in der Welt stärken helfen wie die Neuausgabe seiner "Gesammelten Werke".

Werner Zachmann

Im Mai 2014