Porträtfoto von Herbert Fritsche Porträtfoto von Herbert Fritsche Porträtfoto von Herbert Fritsche Porträtfoto von Herbert Fritsche

Herbert Fritsche

Leben und Werk (1911–1960)
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Vorwort des Herausgebers

Dieser jetzt vorliegende dritte Briefband bildet den Abschluss der Herbert-Fritsche-Briefband-Trilogie, die damit insgesamt 230 Briefe zu den unterschiedlichsten Themenbereichen über einen Zeitraum von 25 Jahren listet.

93 Briefe, zum Teil stark persönlich geprägt, haben Eingang in diesen Band gefunden, der zu Recht den Titel "Briefe an Freunde" II trägt. Denn er spricht hier überwiegend (bis auf einige Ausnahmen, die aber dennoch wertvoll genug waren, hierin aufgenommen zu werden, so Briefe an seinen Vater) seine wirklichen Freunde an, zu denen er über die Jahre hinweg eine echte und innige Beziehung entwickelt hatte. Stellvertretend seien hier genannt: Gerhard Nebel, Hans-Hasso von Veltheim-Ostrau, Lambert Binder, Helmut Klepzig. Sie und andere haben ihn über die unterschiedlichsten Wegstrecken seines Lebens begleitetet.

Insofern zeigt dieser Band eine andere innere Qualität und reicht über den erschienenen Briefband "Briefe an Freunde", den Ernst Klett im Jahre 1970 herausbrachte, hinaus, in denen überwiegend seine "Geistesfreunde" die Adressaten waren. Dennoch bleibt auch diese Trilogie ganz der Tradition dieses ersten Bandes in Form und Inhalt verbunden.

Gerade in der "Ansprache" an seine Freunde, ist seine Sprache noch direkter, akzentuierter und unverblümter, leuchtet seine Fähigkeit des Wortwitzes, die Doppeldeutigkeit mancher Formulierungen ganz besonders auf. Deshalb störe man sich nicht an den auf den ersten Blick erscheinenden Rechtschreibfehlern (die es auch gibt): sie sind keine, sondern gehören dazu, sind von ihm bewusst gewählte Wortspiele, die das Ganze in ihrer Deutlichkeit erst abrunden; etwa wenn er von Beschneidenheit statt von Bescheidenheit im Zusammenhang mit dem Judentum spricht, um nur ein Beispiel - derer es viele gibt - zu nennen. Oder er witzelt in seinem Berliner Jargon, verfällt kurz ins Platt oder andere regionaltypische Redensarten, um arttypisch etwas auszudrücken und dadurch besser zu veranschaulichen. Hier ist er voll in seinem Element, er, "der Herrenreiter auf dem edlen Pferde seiner Sprache", mit der er bewusst und gezielt zu spielen vermochte. Eine Fähigkeit, die ihm angeboren war. Auch schreckt er nicht davor zurück, klare Kante zu zeigen, wo es ihm angebracht und notwendig erscheint. Nie gibt er klein bei.

Ich bin mir bewusst, aus der riesigen Fülle seines brieflichen Schaffens nur einen überschaubaren und durch meine Brille gesichteten Auszug aufgelegt zu haben. Einerseits war das dem Umfang geschuldet - insgesamt ist die Briefedition mit der Drucklegung dieses Bandes auf immerhin 1200 Seiten angewachsen - andererseits aber auch der eigenen Verantwortung, innezuhalten vor allzu persönlichen Inhalten; das gilt sowohl von Seiten Herbert Fritsches als auch von Seiten seiner Adressaten her.

So galt es abzuwägen, was kann, was darf in eine derartige Veröffentlichung einfließen; was ist wichtig, was lässt man besser weg, wo verlaufen jeweils die Grenzen. Auch aus diesem Grunde steht bisweilen eine eckige [...] Klammer, während anderes doch schon von vorne herein (leider, aber richtigerweise) aus den vorgenannten Gründen heraus erst gar nicht in Frage kam und aussortiert werden musste.

Gleichwohl bin ich der Ansicht, eine einigermaßen runde Arbeit mit der Herausgabe dieser Brief-Band-Trilogie abgeliefert zu haben. Sie mag Lust auf mehr machen, was eines Tages vielleicht ein anderer zu vervollständigen und umzusetzen vermag.

Werner Zachmann

Im November 2014