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Vellichor¹

Kennen Sie das Gefühl, dass einen überkommt, wenn man einen alten Buchladen oder Antiquariat betritt? Die Atmosphäre und den Geruch der einem entgegenweht?

Es ist der Duft eines Ortes, an dem Geschichten schlafen – ein staubiges Antiquariat, in dem jedes Buch ein Herz trägt, das schon einmal geschlagen hat. Wenn man ein solches Buch aufschlägst, spürt man nicht nur Papier und Tinte, sondern die Schatten fremder Hände, die es vor einem gehalten haben, die Augen, die dieselben Sätze suchten, vielleicht Trost fanden oder sich darin verloren.

Vellichor ist das leise Zittern der Zeit zwischen vergilbten Seiten. Es ist die Melancholie der Weitergabe – dass Geschichten bleiben, während wir weitergehen.

Sehnsucht ohne klares Ziel – ein bittersüßes Gefühl, das uns daran erinnert, dass wir Teil einer langen, stillen Kette von Leben sind. Es flüstert: Du warst nicht der Erste, und du wirst nicht der Letzte sein.

Viel Spass beim Stöbern in Buchläden oder Antiquariaten, der eigenen Bibliothek oder virtuell auf diesen Seiten.

„Bücher haben Ehrgefühl. Wenn man sie verleiht, kommen sie nicht mehr zurück."

Theodor Fontane


¹ Der Begriff „vellichor“ stammt nicht aus den gewachsenen Gärten der klassischen Sprachen, sondern wurde 2012 von John Koenig geprägt. Er stammt aus seinem Projekt The Dictionary of Obscure Sorrows, einem Online-Lexikon für schwer benennbare Emotionen.

vellichor

n.the strange wistfulness of used bookstores, which are somehow infused with the passage of time—filled with thousands of old books you’ll never have time to read, each of which is itself locked in its own era, bound and dated and papered over like an old room the author abandoned years ago, a hidden annex littered with thoughts left just as they were on the day they were captured.

From vellum, parchment + ichor, the fluid that flows in the veins of the gods in Ancient Greek mythology. Pronounced “vel-uh-kawr.”

https://www.thedictionaryofobscuresorrows.com/word/vellichor

Durch heimliche Türen
Durch heimliche Türen – 1932
Strindberg Meyrink Aram
Strindberg, Meyrink, Aram – 1935
Der Erstgeborene
Der Erstgeborene – 1953